Der Eiskeller

 

Der Eiskeller im Kleinen Tannenwald

 

Von Jörg Hölzer – November 2012

 

1. Umgebung des Bad Homburger Eiskellers und die Eisgewinnung:

Wie auch in Bad Homburg lag ein Eiskeller meistens durch Bäume und Sträucher vor direkter Sonnenbestrahlung geschützt, in der Nähe eines Weihers oder Sees, so wie im Kleinen Tannenwald rd. 80 m - 100 m vom Teich entfernt.

Solch ein Gewässer war nicht nur ein schöner Anblick, sondern diente üblicherweise auch als Fischteich und meistens wurde auf dem Wasser im Sommer geschwommen-oder Boot- und im Winter Schlittschuh gefahren.

Im Winter Schlittschuh fahren? Ja, aber nur solange es möglich ist, denn wenn im Winter das Eis des Gewässers dick genug gefroren war, wurde es von Arbeitern in transportable Blöcke geschnitten und in den Eiskeller gebracht um während des Jahres möglichst lange entweder die Lebensmittel der Landgrafen zu kühlen, oder als Eisvorrat zu dienen.

Die Arbeit des Eisgewinnens war teilweise recht schwierig, denn zum Einen war der See an manchen Stellen auch tief und deshalb für die Arbeiter nicht gerade ungefährlich und zum Anderen, da das Eis zum Kühlen von Lebensmittel gedacht war, musste auch auf die Verschmutzung geachtet werden, denn oft genug waren Blätter, kleine tote Tiere oder verrottete Pflanzen darin eingeschlossen.

Wenn genügend neues Eis im Keller war, wurde es mit einer dicken Lage frischem Stroh abgedeckt, damit es einerseits möglichst lange kühl blieb und andererseits während des Tauens nicht im direkten Kontakt mit Lebensmittel kam.

Einmal pro Jahr, bevor neues Eis eingefüllt wurde, waren erst einmal mehrere Männer mit dem gründlichen Leeren und Säubern der Anlage beschäftigt. Sie mussten Eimerweise altes Eis, verfaultes Stroh und sonstige mittlerweile stinkenden Ablagerungen herausholen und wegschaffen.

Dafür entfernte man die beiden runden Deckel von oben um Tageslicht zu erhalten und zusätzlich wurde der Keller von mehreren Lampen erleuchtet, die man an extra dafür vorgesehenen Halterungen über den Keller verteilt aufgehängt hatte.

In der Regel schaufelten zwei bis drei Arbeiter unten auf dem Grund des Kellers den Müll in Eimer, die dann durch die nun oben offene kreisrunde große Luke hochgezogen- und von weiteren Arbeitern weggebracht wurden.

Aufgrund des enormen Verrottungsgestankes konnten die innen arbeitenden Männer jeweils nur kurze Zeit arbeiten und wurden immer gegen außen arbeitende Trupps ausgewechselt.

Wenn der Grund gesäubert war, wurde das meistens „Kutschenradgroße“ Abflussgitter auf dem Boden der Grube entfernt und der darunter liegende Abflussschacht von evtl. Verstopfungen ebenfalls befreit und gereinigt.

Der direkt an den Abflussschacht angeschlossene Abflusskanal für das getaute Eis, war bei den meisten Eiskellern dieser Art normalerweise gemauert, ungefähr so groß, dass man ihn zwecks Kontrolle, Reinigung oder Reparatur als Kriechgang benutzen konnte und führte direkt an den Teich.

Am Teich war das Ende des Abflusskanals mit einem Gitter versehen, um möglichst auch Ratten davon abzuhalten von dort aus in den Eiskeller zu gelangen.

Nach Ende der Säuberungsarbeiten ließ man die Türen und die Deckenluken des Eiskellers ein oder zwei Tage offen um ihn zu lüften.

Danach konnte dann wieder mit dem Befüllen von frischem Eis begonnen werden.

Übrigens, fast bis zum Beginn des 1.Weltkrieg war in vielen ländlichen Gegenden diese Art der Lebensmittel- oder Eiskühlung mangels elektrischer Kühlschränke noch oft gebräuchlich.

2. Beschreibung des Bad Homburger Eiskellers nach bisher vorliegenden Erkenntnissen:

Der Zugang zum Eiskeller erfolgte über einen schmalen kühlenden Hohlweg, wahrscheinlich von der Seeseite, der in einem Schleusensystem aus zwei -im gegenseitigem Winkel angeordneten- jeweils ungefähr 76 cm breiten Eingangstüren aus Holz- oder Eisen endete.

Das Mauerwerk bestand aus Natur- und Ziegelsteinen.

Die Kellerdecke war wahrscheinlich innen kuppelförmig gemauert und hatte in der Mitte eine reisrunde Öffnung die nach oben hin mit zwei Deckeln versehen war.

Falls der einzige existierende historische Plan den Bad Homburger Eiskeller betrifft und richtig ist, war der gesamte Keller nach unten konisch zulaufend gemauert und endete mit einem ebenfalls kreisrunden Abflussgitter aus Holz oder Eisen über einem noch zum Keller gehörenden Abflussschacht.

Direkt daran angeschlossen war ein ca. 80 m – 100m langer Abwasserkanal der tief unter der Erdoberfläche mit dem entsprechenden Gefälle, auf geradem Weg an den Teich führte.

An der Wand war in der Regel eine Eisenleiter befestigt um sicher in die Tiefe absteigen zu können.

Die Mauerstärke betrug im Eingangs- und Schleusenbereich ca. 50 cm und für das gesamte restliche Gebäude ca. 70 cm.

Die gesamte gemauerte Außenhöhe betrug wahrscheinlich 7,00 bis 8,00 m und die Innenhöhe ca. 6,00 bis 7,00 m.

Der Innendurchmesser betrug ca. 3,00 m bis 4,00 m.

Die gemauerte Kuppel des Eiskellers war von oben mit Erde abgedeckt und somit nur die obere runde Deckelöffnung sichtbar.

3. Historie des Bad Homburger Eiskellers:

Nach aktuellem Stand wurde der Eiskeller erstmals erwähnt in einer techn. Zeichnung mit Querschnitt und allen Maßangaben von vermutlich 1835, die im Hessischen Staatsarchiv Darmstadt liegt. Wobei aber z.Zt. nicht sicher ist, dass diese Zeichnung auch den Bad Homburger Eiskeller betrifft.

Somit liegt sein Bau nach heutigen Erkenntnissen vermutlich irgendwo zwischen Ende des 18.ten bis Anfang des 19.ten Jahrhunderts.

Errichtet wurde der Eiskeller damals ausschließlich zur Nutzung für die Landgrafenfamilien.

1866 wurde nach dem Tode des letzten Landgraf Ferdinands in der 100- Tage-Regierung von Hessen-Darmstadt der Kleine Tannenwald zum Ökonomiebetrieb des Hofgartens ausersehen, wobei die Pflege aller übrigen Gartenanlagen eingeschlossen sein sollten.

Die bald folgende preußische Regierung jedoch sah lediglich den Schlosspark und den Kleinen Tannenwald als Hofgartenrevier an. Da die Meierei nicht genug abwarf, erhielt der Pächter 1867 die Konzession, dort auch einen Cafebetrieb zu führen. Er durfte jedoch keine Fische im Teich fangen und den Eiskeller nicht nutzen.

Von wem und bis wann genau der Eiskeller danach weiter genutzt wurde, ist nicht festgehalten, aber nach Erzählungen der letzten Besitzer des Kleinen Tannenwaldes, der Familie Kredel, war bereits vor dem 2.Weltkrieg die gemauerte Kuppel mit den beiden Lukendeckeln nicht mehr vorhanden.

Als Ersatz war das im Durchmesse rd. 5,00 m große Loch mit mehreren dicken Baumstämmen überspannt und mit Holz und Erde abgedeckt.

Von der Meiereiseite aus wurde ein weiterer Hohlweg gegraben und somit sollten die Bewohner der Meierei und der näheren Umgebung bei Bombenalarm schnell in den als relativ sicher geltenden Eiskeller gelangen, in dem aber schon keine Türen mehr vorhanden waren.

In den späteren Jahren geriet der Eiskeller dann so langsam in Vergessenheit und verfüllte sich langsam mit Hilfe der Natur und spielender Kinder.

Bis Anfang Juli 2010 war er zwar als rundes gemauertes „Etwas“ noch erkennbar, aber höchstens noch 1,50 bis 2,00 m tief. Auch die beiden Hohlwege waren nur in Ansätzen noch sichtbar.

Ab Mitte Juli 2010 wurde endlich mit der Wiederherstellung begonnen.

Der Eiskeller wurde bis Mitte August 2010 wieder vollständig ausgeräumt und befand sich in einem erstaunlich guten Zustand.

Bis auf die oberen bis zum Beginn der Arbeiten noch offenliegenden 1,50 bis 2mtr. war die komplette Backsteinausmauerung unzerstört erhalten.

Ebenso der Boden aus gemauerten Natursteinen und der sichtbare Teil des Abwasserkanals.

Dank der starken finanziellen Unterstützung der Regionalpark Ballungsraum RheinMain GmbH und der Stadt Bad Homburg, konnte das mittlerweile sehr seltenen und hochinteressanten historische Gebäudes der „Konservierung von Lebensmittel und Eis“ originalgetreu wieder hergestellt und im September 2012 fertiggestellt werden.

 


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