Protokoll der MV 2011

 

Protokoll der Mitgliederversammlung

 

am 12.April 2011 um 19.30 Uhr

im Gotischen Haus, Bad Homburg

 

1.Begrüßung

 

Begrüßung der Mitglieder und Gäste des Fördervereins Kleiner Tannenwald durch den Vorsitzenden Franz-Josef Mues. Anwesend waren 35 Mitglieder und 23 Gäste, unter anderem , der OB Herr Michael Korwisi, die Ex-Oberbürgermeister Frau Dr. Ursula Jungherr , die Kulturreferentin Frau Beate Fleige, Herr Jürgen Hölz, ehem. Stadtplaner der Stadt Bad Homburg, inzwischen Mitglied des Fördervereins.

 

2. Jahresbericht 2010

 

Herr Mues berichtete über die Fortschritte der letzten 12 Monate.

-        die Freilegung und den Sanierungsbeginn des Eiskellers.

-        die Aufforstung und der Beginn der Sanierungsarbeiten auf der Seite zum Leopoldsweg, insbesondere das Rasenoval und der Rosentempel.

-        Ankauf der Restfläche mit der Meierei von der Familie Menzel-Kredel. Kostenbeteiligung durch den Förderverein in Höhe von TEU 100.000,-

-        Buchprojekt „Kleiner Tannenwald“. Erstellung eines Buches zum „Juwel der Landgräflichen Gärten. Autoren sind vorhanden, Sichtung der Unterlagen erfolgt. Lediglich die Finanzierung ist noch offen, so das die Fertigstellung nicht vor 2013 stattfindet.

-        Einbindung des KTW in öffentliche Events. Kammermusikkonzert mit dem Quartett ARIS auf der Insel im Rahmen des Homburger Sommers. Gesponsert durch den Förderverein Kleiner Tannenwald.

 

3. Mittelfristige Ziele des Fördervereins

 

Herr Mues stellte auch die weiteren Ziele des Fördervereins vor. Kurzfristig steht hier  die Wiederherstellung der Meierei im Fokus. Gearbeitet wird derzeit an der Erstellung und Diskussion eines Nutzungs- und Sanierungskonzeptes für die Meierei . Hier sind jedoch aufgrund der finanziellen Vorgaben im Moment bei der Stadt noch einige Bedenken vorhanden.

Die Wiederherstellung der Meierei könnte schneller als bisher erwartet über die Bühne gehen. Hier liegen bereits kostenlose Zusagen Bad Homburger Firmen für sachgebundene Hilfe vor, u.a. Architekten, Sanitäre Einrichtungen, Elektroarbeiten, Dachbedeckung.

Weitere Wiederherstellungen sind in Planung. Der Grabegarten, das Heckenzimmer, die Brunnenstube, der Chinesische Pavillion und Boote für den Teich.

 

4. Bericht des Schatzmeister

 

Die Gemeinnützigkeit des Fördervereins Kleiner Tannenwald e.V. wurde am 09.06.2008 vom Finanzamt Bad Homburg für die Jahre 2005 bis 2007 bestätigt.

Der Finanzabschluß 2009 liegt vor. Die Prüfung des Abschlusses 2009 ist durch den Prüfer Gerhard Schapitz erfolgt.

Da Herr Schapitz beruflich bedingt nicht anwesend war, wurde der Bericht verlesen.

Dank an Herrn Schapitz für 5 Jahre Kassenprüfung. Für des Jahr 2011 wurde Herr

Frank Marheinecke durch die Mitgliederversammlung bestellt.

Die Mitgliederzahl erhöhte sich im Jahre 2010 von 161 auf 167 fördernde Personen.

Aktuell sind es bereits 173.

 

Den Einnahmen in Höhe von  Euro 24.538.95 standen Ausgaben von Euro 891,44 gegenüber. Die Einnahmen wurden geprägt von Mitgliedsbeiträge und Spenden. Hervorzuheben sind die großzügigen  Zuwendungen durch die Emmy-Wolff-Stiftung, Hans-Helmuth und Maria von Schmid-Hayn-Stiftung und die Peter und Christa Blancke-Stiftung. Für 2011 liegen uns wieder Zusagen dieser Institutionen vor. In den Ausgaben sind unser hervorragender Web-Auftritt, Kosten für Auflagen des vorhandenen Flyers und Bürokosten enthalten

 

Für 2011 stehen damit Mittel von bis zu 100.000,-- Euro zur Verfügung, die ausschließlich für den Zuschuss zum Kauf der Restfläche der Familie Menzel-Kredel benötigt werden.

 

5. Entlastung des Vorstandes

 

Der Vorstand wurde auf Antrag aus der MV einstimmig entlastet.

 

6. Rede Oberbürgermeister Michael Korwisi ( gez.Dr.Weinmann )

 

Herr Korwisi bedankte sich beim Förderverein für die TEU 100.000,- zum Kauf des restlichen Grundstückes für den KTW. Das Rasenoval werde derzeit gebaut. Der Gustavgarten sei zwischenzeitlich ebenfalls durch die Stadt erworben worden. Anstelle von Parkplatzflächen im KTW könnten eventl .auch beim Gustavgarten Parkplätze ausgewiesen werden. Dies werde derzeit geplant.

Die finanziellen Mittel der Stadt seien jetzt jedoch neu zu ordnen. Bei einigen Dingen müssen jetzt langsamer vorgegangen werden. Anstelle der Meierei könne man sich der Schweizerei annehmen. Der Förderverein könne hier wieder tätig werden. Es müsse ein Neubau der Schweizerei geplant werden. Die Stadt und der Förderverein könnten hierbei gemeinsam vorangehen.

in 2010 habe die Stadt insgesamt TEU 2,1 Mio. investiert. Die finanziellen Spielräume würden dadurch etwas enger, zumal die Steuereinnahmen derzeit nicht zunehmen würden.

Man müsse die Projekte aber nicht aufgeben, sondern nur die Geschwindigkeit verlangsamen. Die Schweizerei könne jedoch nach seiner Ansicht in 2 Jahren realisiert werden.

Der Eiskeller würde teurer als zunächst geplant. Derzeit werde mit einem Aufwand von TEU 350.000,- kalkuliert. Davon müsse die Stadt rund TEU 200.000,- übernehmen. Aber auch der einzigartige Eiskeller würde das Juwel KTW weiter verschönern.

Die vom Förderverein geplanten kulturellen Veranstaltungen im KTW finde er prima und ausbaubar.

 

7. Bericht des Stadtplaners

 

Herr Holger Heinze, der neue Stadtplaner stellte sich vor. Er ließ nochmals die Sanierung des KTW Revue passieren. Mit Interesse verfolgte die MV seinen Vortrag und freute sich auch hier über die aufgezeigten Perspektiven zur weiteren Gestaltung des KTW´s.

 

8. Zeitzeugen berichten, Frau Gisela Menzel-Kredel und Jörg Hölzer              (gez. Dr. Joachim Weinmann)

 

Frau Menzel-Kredel setzte die Zeitreise unserer vorhergehende Zeitzeugenberichte im Interview mit Herrn Hölzer fort. Sie berichtete über die Zeit von 1941-1974.

 

Wie er das Grundstück gefunden habe, wisse sie auch nicht mehr. Aber aus Erzählungen wisse sie noch, das der Großvater sich in den KTW verliebt habe. Die Bombennächte in Frankfurt  führten jedenfalls  zu der Entscheidung, Frankfurt zusammen mit der Familie zu verlassen. 

 

Am 14.09.1941 schrieb der Großvater einen Brief an seinen Sohn  an die Front mit folgendem Wortlaut:   …. Vor allen Dingen wirst Du, wenn du nach Hause kommst,   hören von 18 Morgen Grundstück in ‚Bad Homburg mit einem Fischteich von 2 Morgen. Ich werde so neben meinen sonstigen Arbeiten zum Trapper und Fischer. 

 

Es ist auch ein Stall für 6 Kühe vorhanden. Aber alles ist noch in der Schwebe…..

 

Am 23.12.1941 schrieb er an seinen Sohn, dass er seit Sonntag Besitzer des KTW sei. Nun fängt die Arbeit erst richtig an.  Ich weis nicht, wo mir der Kopf steht. Aber es muss jetzt durch gebissen werden. Ich hoffe, dass ich zum letzten mal umziehe. 

 

Nach dem Einbau einer neuen Heizung, Toilette und Bad  im 1. Stock  bezog die Familie dann im Mai 1942 die Meierei im KTW.  Es war übrigens schwierig, in dieser Zeit Handwerker zu bekommen.  Im märchenhaften Garten war aber noch viel zu tun.

 

Im September 1943 schreibt der Großvater an einen Bekannten:  „Und wir beiden Alten wohnen seit dem vorigen Jahr in Bad Homburg in einem früheren landgräflichen Lustgarten von 18 Morgen mit vielen Rosen und alten Bäumen, einem Teich von etwa 2 Morgen, einer Insel mit einer Brücke, einem Hund und viel Getier wie Rehe, Hasen, Dachsen, Wasserratten, Habichte, Wildtauben, Spechte usw. und vor allem aber vielen Liebespärchen“.

 

Ein weiterer Brief vom 8. Mai 1944 an seinen Sohn: „ Weil die Arbeit immer mehr wird und die Postverbindung durch die Ereignisse in Frankfurt schwer gelitten hat, und es bis heute noch keine Fernverbindung mit Frankfurt gibt, bin ich auch in meiner Arbeit behindert. Ich entwickele mich immer mehr zum Arbeiter, Bürger und Bauer. Zuerst habe ich für meine Erben 35 Kirschbäume gepflanzt. Dann musste ich  die Kirschbäume gießen, was immer einen Weg von 9 km bedeutet; also wenn man umrechnet von einem Weg  von 300 Meter hin und zurück zum Teich und das 35 mal, dann kommt man ungefähr auf diese Zahl.

 

In dieser Zeit  des Jahres 1944 wurde auch der Eiskeller als Luftschutzbunker ausgebaut.  Der Eiskeller war durch den Wald nicht von Flugzeugen auszumachen.  Zusammen mit  der Familie Kofler (Lederkofler) habe man eine Art „Schützengraben“  vom Haus bis zum Eiskeller gegraben. Der Eiskeller wurde mit  meterdicken Holzstämmen und  jeder Menge Erde zusätzlich abgedeckt.

 

Wenn man um die Meierei und auch um die Schweizerei   vorsichtig die Erde beseitigt, wird man noch die Klinkersteine der Terrassen rund um die Häuser finden.

 

Damals gab es auch noch ein kleines „Schindelhäuschen“.  Dieses Häuschen war sechseckig und stand in etwa da, wo jetzt eine der Urnen steht. Der Großvater hat immer erzählt, das sei Goethes Teehäuschen. Goethe hätte einen Ausflug mit der Kutsche gemacht von Frankfurt nach Bad Homburg. Er habe in diesem Häuschen dann Tee gereicht bekommen. Goethe sprach von einem zauberhaften, feengleichen Nachmittag.

 

Auf Nachfrage schildert Frau Menzel-Kredel, dass das Häuschen später von Zeitgenossen als Toilette  und Müllhalde missbraucht wurde und immer mehr zerfiel. Wir Kinder durften uns dort nicht mehr aufhalten. Und irgendwann, dies müsste in Polizeiakten noch aufzufinden sein, hat sich jemand dort erhängt. Der Großvater hat  dann beschlossen, dass das Häuschen abgerissen wird. Das war ungefähr 1954.

 

Bis 1954 haben wir mit den Großeltern und unseren Eltern mit den 3 Kindern in der Meierei gewohnt.  Im EG der Meierei war das Büro. Im 1. Stock wurde gewohnt. Auch im DG.

 

An Haustieren hatten wir Milchschafe. Ein Pferd (wie auf dem Bild) kam einfach ab und zu mal vorbei.  Auf einem Bild ist ein Waldkauz zu sehen. Viele Generationen an Waldkäuzen waren da. Ganz schlimm wird es in der Balzzeit. Frau Waldkauz schreit wie eine Frau in höchster Not. Manche Leute fürchten sich dann. Die Tochter hatte zwei junge Männer zu Besuch. Die beiden hatten sich in den unteren Räumen eingeschlossen vor lauter Furcht. Das gab einen Rüffel, wenn scheußliches passiert, dann schließt man sich nicht ein, sondern geht raus und hilft.

 

Auf einem Bild sieht man meinen Lieblingsbaum. Zu allen Tages und Nachtzeiten. Bei nebligem Wetter war er einmalig. Also, wer da nicht vermutet, dass da mindestens eine Elfe darin lebt, dem ist nicht zu helfen. Leider existiert er wegen seinem hohen Alter nicht mehr.

 

Der KTW war immer vollkommen offen für die Bürger. Angeln durfte man nicht. Es gab einen Teichwart, der das kontrollierte. Ich kann mich auch noch an Wildschweine erinnern. 

Der Großvater hielt über viele Jahre hinweg Milchlämmlein. Die hießen immer Adolf. Der Name wurde allerdings bis 1945 nicht verraten.

 

In den 50er Jahren war die Schweizerei schon abgeschlossen. Es war noch Lager für das Geschäft des Großvaters. In der Kriegszeit wurde die Schweizerei noch gut genutzt von ausgebombten Leuten.  Es wurde für Tage, Wochen und Monaten genutzt von verschiedenen Menschen, die kein Dach mehr über dem Kopf hatten. Wir nannten das immer unser Schweizer Haus.

 

Wir sind 1954, ich war 8 Jahre alt,  in die neu gebaute Villa gezogen. Die Großeltern wohnten aber weiter in der Meierei.

 

Auf Frage nach dem Schulweg und nach Nachbarn, erzählte Frau Menzel- Kredel , dass es schon Nachbarn gab. Der Schulweg ging über den Leopoldsweg. In den Teich sind wir als Kinder sicherlich mal reingefallen. Eine gefährliche Situation kann ich mich erinnern. Damals gab es noch Holzhäuser in denen ein Junge lebte, der mit mir nach der Schule nach Hause kam. Im Frühjahr wollte der Junge noch auf das Eis. Ein Onkel hörte Hilferufe des Jungen. Der Junge konnte gerettet werden.

 

Die Winter waren damals kälter als heute. Auch war damals noch viel Wasser im Teich. Am Rand vom Prinzessinnenweg  stand ein Bauwagen. Man konnte auch nachts noch Schlittschuh laufen. Es standen dort große Scheinwerfer. Mit einer Eismaschine und Besen wurde der Schnee weggeräumt. Waffeln wurden an die Gäste verkauft. Es war ein lebhaftes Wintertreiben.

 

Auf Nachfrage von Herrn Mues nach Motorradrennen rund um den Teich, schildert Frau Menzel-Kredel, dass dies früher regelrecht organisiert wurde. Ihr Bekannter, der Roland, fing schon mit 12 Jahren an, dort zu fahren.

 

Auf Nachfrage von OB  Korwisi, warum das Schweizer Haus diesen Namen trage, erläutert Frau Menzel-Kredel, dass die Familie das immer als Schweizer Haus bezeichnet habe. In diesem Haus lebte häufig die Landgräfin. Es war gemütlich mit Kachelofen eingerichtet. Vom Aussehen her passte es kaum in die Landschaft. Im Volksmund wurde sein Aussehen wie ein Schweizer Chalet  bezeichnet, also Schweizer Haus. Käse wurde darin wohl nie produziert. Dies wäre eher in der Meierei möglich gewesen mit der dort vorhandenen gekachelten Küche und mehreren Waschbecken.

 

Frau Nachfrage von Herrn Mues nach früheren Bebauungsplänen schildert Frau Menzel-Kredel weiter, dass das Interesse der Stadt schon Anfang der 60er Jahre an einer Vermarktung groß war. Die Stadt sei auch daran interessiert gewesen, das sogenannte RemmiDemmi Hotel dort zu bauen. Im Jahre 2002 habe sogar ein Gutachter der Stadt Bad Homburg empfohlen, man solle die Scheune, es handelte sich um das Schweizer Haus, für 6000.- Euro abzureißen.

 

Seit 1961 gibt es mindestens 12 verschiedene Architekten Pläne zur extremen Nutzung des KTW  mit einer dichten Bebauung. Auch Baugesellschaften wie Wüstenrot wurden bemüht. 1961 wurde ein Plan vorgelegt mit 4 Hochhäusern mit  je  12 Geschossen und je 6 Wohnungen. Es gab auch Planungen, da war der Teich verfüllt und das Gelände komplett mit Häusern bebaut:   35 Zwei-Zimmer Wohnungen, … Appartements, 25 Reihenhäuser, 16 Bungalows, 35 Atriumhäuser.

 

Der Großvater wurde regelmäßig von Immobilienmaklern aufgesucht, die mit einer Flache Cognac unter dem Arm und ihren Ausbauplänen mit immer mehr Geldversprechungen vor der Türe standen. Der Großvater hatte eine klammheimliche Freude daran, damals muss Land in Kanada recht günstig gewesen sein, auszurechnen, wie viel Land  es für den Verkaufspreis in Kanada geben könnte. Ich denke mal, dies könnte die Größe von Hessen erreicht haben. Aber der Großvater hat alle Begehren abgelehnt. Der Großvater hat dann bis zu seinem Tode im Jahre 1974 in der Meierei gewohnt.

 

Die Zeit danach, so Herr Mues, soll in einer der nächsten MV behandelt werden.

 

Ende der Veranstaltung  22.10 Uhr

 

Nach Beendigung der MV klang der Abend bei einem kleinen Imbiss,  der von der Firma Feinkost Lautenschläger gesponsert wurde aus. Herzlichen Dank an die Sponsoren!

 

 

Wolfgang Blum

(Schriftführer)

 


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